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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Die Arbeitsmoral und das liebe Geld

In der Fondszene sind Managerwechsel in der Regel kein großes Thema und werden dezent behandelt. Ganz anders als etwa im Leistungssport, wo der Wechsel eines Stars für Mannschaft und Verein viel bedeuten kann - nicht muss. Bei der jüngsten Personalie aus den Hause DWS, Deutschlands größter Fondsgesellschaft für Aktien und Renten und mit mauem Börsenstart seit dem IPO im März, musste ich jedoch aufhorchen.

Da wurde von einiger Zeit der Weggang des in der Branche hoch angesehenen Fondsmanagers Tim Albrecht von der DWS hin zur Hamburger Berenberg Bank verkündigt. Dass die am Markt bisweilen sehr aggressiv auftretenden Hanseaten beim Ausbau ihrer fondsbasierten Vermögensverwaltung Albrecht abgeworben haben, um Prestige, Namen und Assets zu gewinnen, ist klar. Doch nun hat die DWS in Gestalt des neuen Unternehmen-Chefs Asoka Wöhrmann gekontert; dieser hat dem Vernehmen nach Albrecht „gedreht“. Wir haben eine positive Grundmeinung zu Asoka Wöhrmann und sehen in ihm den personellen Neuanfang bei der DWS manifestiert. Sein französischer Vorgänger hatte arg mit der Frankfurter Zentrale gefremdelt.

Doch war die Personalie  Albrecht vor allem auch ein Zeichen unserer Zeit. Leider sind gemachte Arbeitsverträge (zwischen Berenberg und Albrecht) wohl das Papier nicht wert, auf dem sie vereinbart wurden. Das finden wir bedenklich, gerade für einen Geldverwalter, der Treuhänder für seine Anleger ist.  Dass die DWS finanziell und strukturell ordentlich was auf den alten Kontrakt draufgesattelt hat, dürfte klar sein. Vertragstreue und Arbeitsehre sind eben Tugenden aus einer anderen Zeit und in Frankfurt wohl am Aussterben. Herr Albrecht muss nun zeigen, dass er sein aufgehübschtes Gehalt wert ist und der Wortbruch keine negativen Folgen für seine Arbeitsleistung haben wird. Sonst kann er sich zukünftig als reiner Finanzsöldner auf Erfolgsbasis für den nächstbesten Vermögensverwalter verdingen.

Musterdepot 2018: Plus 18 %

Unser Musterdepot hat in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch geknackt. Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus nun starke 19 %. Unser Jahresziel von rund 20 % liegt in greifbarer Nähe. In einem äußerst herausfordernden Umfeld ist die Entwicklung in diesem Jahr sensationell. Der DAX liegt seit Jahresanfang deutlich im Minus. Lediglich der TecDAX läuft in diesem Jahr prächtig. Allerdings hat der Technologieindex die stramme Entwicklung vor allem der Aktie von Wirecard zu verdanken, die den Index massiv nach oben treibt. Am vergangenen Freitag präsentierte ISRA-CEO Enis Ersü wie gewohnt ein sehr solides Zahlenwerk. Die Aktie verteuerte sich um rund 10 % und markierte mit Kursen von gut 60 Euro ein neues Rekordhoch. Nach 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2017/2018 expandierte der Umsatz um 10 % auf gut 103 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern schnellte um 13 % auf über 20 Mio. Euro nach oben. Das entspricht einer EBT-Marge von 20 %. Der Auftragsbestand signalisiert, dass das Wachstum ungebrochen ist, er erhöhte sich zum Stichtag von 83 auf 90 Mio. Euro. Ersü bekräftigte in einer Telefonkonferenz die Ziele für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll – bei EBT-Margen von ca. 20 % – zweistellig wachsen. Mittelfristig soll der Umsatz die Marke von 200 Mio. Euro erreichen. Die ISRA-Aktie ist zweifelsfrei alles andere als ein Schnäppchen. Wir halten an unserer Restposition dennoch fest. Investoren lieben waschechte, hoch profitable Wachstumsunternehmen und bezahlen dafür offenbar auch entsprechend hohe Preise. Kommt wieder richtiges Momentum in die Aktie, kann die Rally kräftig weitergehen.

Wir haben nunmehr unseren Barbestand nochmals ausgebaut. Aktuell liegen wir bei einer Liquidität von rund 50 %. Damit fühlen wir uns sehr wohl. Der September ist historisch betrachtet ein relativ gefährlicher Monat. Wir sind allerdings handlungsbereit, wenn sich deutliche Chancen ergeben. Aktuell ist uns aber das gesamte Umfeld zu riskant. Geduld ist an der Börse eine sehr wichtige Tugend. Unsere nachgekauften Consus-Aktien in Höhe von 1 287 Anteilen wurden zu 8.80 Euro verkauft. Den ursprünglichen Bestand wollen wir erst einmal behalten. Ebenfalls verkauft wurden alle Anteile der Fabasoft AG. Unser reduziertes Verkaufslimit von 13.60 Euro hat gegriffen. Die Q1 Zahlen haben uns nicht wirklich überzeugt, bei einem Börsenwert von über 150 Mio. Euro, müssen die Zahlen stärker sein. Mindbreeze entwickelt sich toll; das Kerngeschäft ist uns zu lahm. Die Aktie bleibt aber auf unserer Watchlist.