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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Hamburg: der Nabel der Welt oder was?

Am Kapitalmarkt gehen die Transaktionsschleusen auf. Kaum sind die Ferien rum und die relevanten Akteure wieder aus der Mittelmeerregion zurück an den heimischen Bildschirmen, startet das Geschäft in der Nebenwerteszene durch. Doch das Epizentrum liegt nicht wie man es erwarten sollte rund um das Parkett in Frankfurt. Die Platzhirsche am Main leben derzeit zurückgezogen. Ein jeder der Handvoll wesentlichen Adressen Frankfurts hat eigene Themen. Emittenten und Investoren scheinen nicht im Zentrum des Denkens zu stehen. Verstehen müssen wir das nicht! Dafür streuen die Impulse von Hamburg aus über das Land. Die Berenberg Bank steht mit beiden Beinen auf dem Gaspedal und droht das Bodenblech durchzudrücken. Das Traditionshaus hat 2016 schon 16 Transaktionen abgeschlossen; man könnte meinen, dass nun wöchentlich Transaktionen hinzukommen. Kapitalerhöhungen und Umplatzierungen im Immobiliensektor (Alstria, Hamborner) und bei Finanzdienstleistern (MPC Capital) und auch Börsengänge (Shop Apotheke, Office First, Vaqtec) sind im Angebot. Respekt, was die Mannschaft um Oliver Diehl an Transaktionsideen dem Publikum offeriert. Ob das dann im Verlauf alles so nachhaltig und für die Investoren erfolgreich ist, steht auf einem anderen Blatt. Jeder Profi muss vor dem Kauf für sich entscheiden, ob er den Marktschreiern aus dem Investment Banking an der Binnenalster bedenkenlos folgt. Denn klar ist auch, dass Berenberg trotz Wassernähe nicht über selbiges läuft und Gewinne nicht garantiert sind. Solange die Stimmung am Markt gut und dieser aufnahmefähig ist und die Unternehmen fair gepreist sind, kann das „Hallo ich habe interessante Aktien für Sie“-Spiel noch eine Weile gut gehen. Doch der Sekundärmarkt ist nicht endlos aufnahmefähig, und denken Sie immer dran – jeder Kauf ist nur eine Reaktion auf einen Verkauf. So funktioniert der Börsenbias.

 

Eine ertragreiche Woche wünscht Ihnen Ihr

Aktienbulle der Woche

Turbulenz bei Lars Windhorst?

Ichor Coal aus Amsterdam. Schon mal gehört? Nein, nicht schlimm. Sie haben viel Geld gespart, wie der Aktienchart zeigt. Lars Windhorst? Ah, bei dem Namen müsste es klingen. Der in jungen Jahren als Wunderknabe der Deutschen Wirtschaft gefeierte Unternehmer ist einer der wenigen noch übrig gebliebenen schillernden Köpfe des Kapitalmarktes. Nach seiner Pleite und dem dann erfolgreichen Neuanfang in London ist es hierzulande still um Windhorst geworden. Der überaus ehrgeizige, disziplinierte, in puncto Risikomanagement jedoch oft überforderte Windhorst ist im Aufsichtsgremium von Ichor Coal tätig. Als Vertreter von Sapinda, einer von ihm geleiteten Investmentgesellschaft, dürfte Windhorst der größte Verlierer am Kurssturz des Unternehmens sein. Doch ob die aktuell 56.5 Mio Euro Börsenwert billig sind, wie der Chart suggeriert, wage ich zu bezweifeln. Zum einen, weil, wie wir im Markt hören, es bei Sapinda wohl massive finanzielle Engpässe geben soll. Zum anderen weil das Reporting alt ist (Bilanz 2014), der damalige Inhalt für Bilanz und GUV von Ichor Coal alles andere als gut war. So standen per Ultimo 2014 stattliche 0.27 Euro Verlust je Aktie zu Buche, die als Ergebnis von 47 Mio. Euro Umsatz bei der thermischen Kohleförderung und Verarbeitung in Südafrika angefallen sind.

Die Wandelanleihe hat ebenso wie die Aktie Luft nach unten und weist keinerlei Anlagequalität auf. Wer Icho Coal hat, sollte schleunigst raus, wer an der Seitenline steht, ist mit einer Short-Spekulation auf der richtigen Seite. Das Risiko besteht lediglich darin, wenn es Windhorst wieder gelingen sollte, neue Investoren für seine operativen Geldverbrenner zu finden. Doch das Risiko erscheint angesichts der Lage bei Sapinda gering zu sein.