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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Bayernbeben und Fußballkatastrophe

Beim eiligen Durchlaufen der Frankfurter Ausgehmeile am heutigen Mittag gab es überraschenderweise nur drei hochaktuelle Themen am Finanzplatz. Zum Ersten natürlich die Ergebnisse der gestrigen Bayernwahl und die nach Sicht der Börsianer sich daraus ableitenden Folgen – nämlich erstmal keine. Wenn‘s in Hessen jedoch ebenso knallt, dürfte in die Personalie Angela Merkel Bewegung hereinkommen und damit für die Börse etwas Wichtiges passieren. Sonst ist und bleibt Bayern eben Bayern. Sollte die Kanzlerdämmerung zu ihrem absehbaren Ende kommen, dürfte dies am Kapitalmarkt für Bewegung sorgen, so wie bei den historischen Vorlagen von Kohl und Schröder.

Ja, und dann der Fußball. Wäre Jogi Löw ein ganz normaler Bundesligatrainer oder Vorstandschef einer notierten Gesellschaft – nach dieser Pleitenorgie wäre er längst weg vom Fenster. Macht macht blind, ist ein altes weises Sprichwort und dies gilt auch für unseren Bundesjogi, der den optimalen Zeitpunkt zum Abgang nach seinem WM-Titel in Brasilien schlicht verpasst hat. Ich war damals in Rio de Janeiro dabei und hab‘ das Gänsehautgefühl live miterlebt. Beim Spiel am Samstagabend in Amsterdam hingegen, lief es mir selbst vorm heimischen Fernseher wie ein kalter Schauer den Rücken hinunter.

Thema Nr. 3 war der knapp einstündige Systemausfall des Xetra-Handelssystems der Deutschen Börse.  Nein, es waren keine russischen Spione oder anonyme Hacker aus irgendwoher am Werk. Schlicht die IT hat nicht richtig funktioniert, und da wollte die Börse nix anbrennen lassen und hat den Handel später gestartet. Vernünftig. Vernunft ist also übrigens  auch am Markt derzeit gefragt, denn in Frankfurt herrscht keine Panik. Wir stecken mitten in einer saftigen Korrektur, und die schüttelt uns eben alle durch. Auch das Vorstandswoche-Musterdepot, welches wir in weiser Voraussicht mit einer hohen Kassenquote schon seit Wochen gefahren haben, leidet naturgemäß mit, ist aber noch im Plus für 2018!

Musterdepot 2018: Plus 18 %

Unser Musterdepot hat in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch geknackt. Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus nun starke 19 %. Unser Jahresziel von rund 20 % liegt in greifbarer Nähe. In einem äußerst herausfordernden Umfeld ist die Entwicklung in diesem Jahr sensationell. Der DAX liegt seit Jahresanfang deutlich im Minus. Lediglich der TecDAX läuft in diesem Jahr prächtig. Allerdings hat der Technologieindex die stramme Entwicklung vor allem der Aktie von Wirecard zu verdanken, die den Index massiv nach oben treibt. Am vergangenen Freitag präsentierte ISRA-CEO Enis Ersü wie gewohnt ein sehr solides Zahlenwerk. Die Aktie verteuerte sich um rund 10 % und markierte mit Kursen von gut 60 Euro ein neues Rekordhoch. Nach 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2017/2018 expandierte der Umsatz um 10 % auf gut 103 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern schnellte um 13 % auf über 20 Mio. Euro nach oben. Das entspricht einer EBT-Marge von 20 %. Der Auftragsbestand signalisiert, dass das Wachstum ungebrochen ist, er erhöhte sich zum Stichtag von 83 auf 90 Mio. Euro. Ersü bekräftigte in einer Telefonkonferenz die Ziele für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll – bei EBT-Margen von ca. 20 % – zweistellig wachsen. Mittelfristig soll der Umsatz die Marke von 200 Mio. Euro erreichen. Die ISRA-Aktie ist zweifelsfrei alles andere als ein Schnäppchen. Wir halten an unserer Restposition dennoch fest. Investoren lieben waschechte, hoch profitable Wachstumsunternehmen und bezahlen dafür offenbar auch entsprechend hohe Preise. Kommt wieder richtiges Momentum in die Aktie, kann die Rally kräftig weitergehen.

Wir haben nunmehr unseren Barbestand nochmals ausgebaut. Aktuell liegen wir bei einer Liquidität von rund 50 %. Damit fühlen wir uns sehr wohl. Der September ist historisch betrachtet ein relativ gefährlicher Monat. Wir sind allerdings handlungsbereit, wenn sich deutliche Chancen ergeben. Aktuell ist uns aber das gesamte Umfeld zu riskant. Geduld ist an der Börse eine sehr wichtige Tugend. Unsere nachgekauften Consus-Aktien in Höhe von 1 287 Anteilen wurden zu 8.80 Euro verkauft. Den ursprünglichen Bestand wollen wir erst einmal behalten. Ebenfalls verkauft wurden alle Anteile der Fabasoft AG. Unser reduziertes Verkaufslimit von 13.60 Euro hat gegriffen. Die Q1 Zahlen haben uns nicht wirklich überzeugt, bei einem Börsenwert von über 150 Mio. Euro, müssen die Zahlen stärker sein. Mindbreeze entwickelt sich toll; das Kerngeschäft ist uns zu lahm. Die Aktie bleibt aber auf unserer Watchlist.