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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Wann kapieren es die Reeder?

Mit den Reedereien es so eine Sache. Jeder braucht die Dienstleistungen, denn ohne die Handelsflotte wäre der Welthandel schlicht nicht durchführbar, da Flugzeuge und Eisenbahnen die schiere Masse an Gütern und Waren nicht kostengünstig befördern können. Das Wachstum der Seeschifffahrt ging bis dato einher mit der Globalisierung. Doch seit einigen Jahren haben sich diese Megatrends entkoppelt. Die Weltwirtschaft schreitet munter voran, die Seeschifffahrt manövriert in schwerem Wetter, Besserung nicht in Sicht. Es vergeht keine Woche, in der nicht eine Reederei dicht macht, saniert oder geschluckt wird. Der Zwang zu Größe hat schon beängstigende Formen angenommen. So laufen rund 80 % des globalen Seehandels über die Bücher von knapp zwei Dutzend Reederein. „Too big to fail“ kennen wir ja aus der Finanzwirtschaft. Und wenn dann wie am gestrigen Sonntag ein 400-Meter-Riese namens „OOCL Hong Kong“ erstmals einen hiesigen Hafen ansteuert, gibt es bunte Bilder und noch mehr Staunen. Für mich ist die Einfahrt des Pottes in den JadeWeserPort Wilhelmshaven Sinnbild für einen völlig verkorksten Markt, in dem trotz bestehender Überkapazitäten solche Riesenkähne, die Platz für über 21 000 Standardcontainer (TEU) bieten, auf Kiel gelegt werden. Gehen wir mal davon aus, dass Reeder und Endnutzer mit dem Transport Geld verdienen wollen (was aktuell nicht mal 30 % der globalen Schiffsflotte Analystenschätzungen zufolge schaffen), dann stellt sich für mich die Frage, wie es Investoren oder Fremdkapitalgeber geben kann, die solche Schiffe finanzieren. Klar, durch das kaputte Zinsniveau hat Geld keinen Wert mehr als solches, doch das gilt nur bei abstrakter Betrachtungsweise und wenn genügend Geld als Ressource vorhanden ist – was wohl für die wenigsten gilt. Der Rest der Volkswirtschaft muss rennen, um sich Margen zu erarbeiten. Wie das mit solchen Pötten gehen soll, ist mir schleierhaft. Ebenso wie das ganze System der globalen Handelsflotte, der Infrastruktur unseres Wirtschaftssystems. Wenn da mal keine bisher nicht erkannte Leckage versteckt ist.

Musterdepot 2017: Plus 27 %!

Seit Sommer 2015 plus 82 %

Unser Musterdepot entwickelt sich weiter sehr positiv. Trotz der aktuellen Seitwärtsbewegung in den wichtigsten Indizes, klettert unser Musterdepot auf neue Rekordwerte. Aktuell beträgt das Kursplus seit Jahresanfang fast 27 %. Das ist eine starke Performance. Seit unserem Start Mitte Juli 2015 liegen wir nunmehr mit über 82 % vorne. Mit unseren Werten im Musterdepot sind wir weitgehend zufrieden. Washtec konsolidiert auf einem hohen Niveau und zu Stratec lesen Sie Details auf Seite 2 in der aktuellen Ausgabe. Über ISRA haben wir vor kurzem ausführlich berichtet. Eckert & Ziegler hat sich jüngst sensationell entwickelt und dürfte nun eine Verschnaufpause einnehmen. Einzig die Kursentwicklung bei ADVA missfällt uns etwas. In knapp 4 Wochen wird das Unternehmen Zahlen für Q2 veröffentlichen. Im Vorfeld dieser Veröffentlichung könnte die Aktie wieder besser laufen.

Unser Neukauf Allgeier entwickelt sich stark. Das Papier scheint die Marke von 20 Euro geknackt zu haben. Alles andere als glücklich sind wir jedoch mit der jüngsten Kapitalerhöhung der Gesellschaft. Am 20. Juni 2017 um 17.46 Uhr meldete Allgeier in einer Ad-hoc-Mitteilung, dass die Kapitalerhöhung um bis zu 10 % des Grundkapitals platziert werden soll. Am nächsten Morgen wurde der Vollzug der Kapitalerhöhung verkündet. Die neuen Aktien wurden zu 18.10 Euro an Investoren platziert. Vorstand, Aufsichtsrat sowie Mitarbeiter der Gesellschaft haben an dieser Kapitalerhöhung ebenfalls teilgenommen. Unserer Meinung nach hätte der Vorstand die Kapitalerhöhung locker zu 18.50 oder auch 19.00 Euro platzieren können. Allgeier-CEO Carl Georg Dürschmidt hat dadurch bis zu 1 Mio. Euro verschenkt. Was uns ganz und gar nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Aktie in den letzten Tagen vor der Kapitalerhöhung fast immer kurz vor Ende des Xetra-Handels nach unten gedrückt und fleißig Aktien verkauft wurden, um den Kurs niedrig zu halten. Recht dreist passierte dies am 20. Juni, also kurz vor der Ad-hoc-Mitteilung, als es plötzlich massiv Aktien regnete und das Papier von gut 19.50 noch schnell auf 19.00 Euro massiv abverkauft wurde. Nicht gut! Das rückt Allgeier und die Baader Bank, welche diese Emission begleitet hat, in kein schönes Licht. Insgesamt hat Allgeier in Sachen guter Corporate Governance ohnehin sehr viel Optimierungspotenzial. Wir hoffen, dass Allgeier nun eine solide Investor Relations- Arbeit leistet, Strukturen optimiert und Kosten senkt. Dann hat das Papier massives Kurspotenzial.

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