Skip to main content

Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Sinn und Unsinn von Dividenden

In Zeiten von Minus-Zinsen werden Dividenden als die „neuen Zinsen“ von Analysten und Marktauguren herumgereicht und gepriesen, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die bisher abstinente Masse in Richtung Kapitalmarkt im Allgemeinen und Aktien im Speziellen aufmacht. Der Gedanke mag richtig sein, doch ist er zu plakativ, denn Dividenden sind nur dann sinnhaft, wenn der ausschüttende Emittent das Geld auch operativ verdient hat und es im Folgejahr bilanziell nicht benötigt, um weiterhin erfolgreich zu sein - Stichwort Substanzschmälerung. Im Bankensektor sind Dividenden für mich das Musterbeispiel einer falschen Kapitalallokation zugunsten der Aktionäre. Beispiel gefällig? Nehmen wir die altehrwürdige Credit Suisse, die Schweizer Großbank, die so Vieles vom inhaltlichen Etikett des Swiss Banking aufgegeben hat. Der Chart, ein von mir zu Beweiszwecken gerne angeführtes Abbild des Unternehmens zeigt per 52 Wochen (-57 %) und per 10 Jahre (-83 %). Klar, wie der Leistungsausweis ist – miserabel! Der aktuell etwas mehr über ein Jahr am Ruder stehende CS-Lenker Tidjane Thiam hat eindrucksvoll gezeigt, dass er zwar ein Manager ist, der große Einheiten führen kann, aber unter die Rubrik „Wasserläufer“ fällt er nicht! Die CS hat von 2008 bis 2015 rund 8.5 Mrd. Franken an Dividenden ausgekehrt – Kapital, das nun operativ nicht mehr vorhanden ist. Fehlendes Kapital ist aufgrund der immer härter werdenden aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen mehr als ein Hemmschuh fürs Bankgeschäft, es kann zum Ritt in die operative Sackgasse führen. Der aktuelle Börsenwert von knapp 20 Mrd. Franken deutet aus Sicht einer Buchwertbetrachtung (Faktor 0.5) auf eine Unterbewertung hin, ertragsseitig preist der Markt ein Konsensus-KGV 2017 von 11 an. Beides Werte, die nicht teuer sind und ganz klar zeigen, wo das Problem des Dividendenwertes Credit Suisse liegt – der Markt glaubt nicht an eine dauerhafte Dividendenfähigkeit. Was lernen wir daraus? Der Blick hinter die Solidität Dividendenauskehr ist wesentlicher als der Kauf eines vermeintlichen Dividendentitels vor einer Ausschüttung.

 

Eine ertragreiche Woche wünscht Ihnen Ihr

Aktienbär der Woche

Tesla - Völlig losgelöst von der Erde

Wer erinnert sich nicht gerne an den Neue Deutsche Welle-Hit „Major Tom“ von Peter Schilling, in der ein Astronaut völlig losgelöst von der Erde schwebt. An eben diese Kunstfigur Major Tom erinnert der Visionär Elon Musk, ein wohlhabender Investor aus den USA, der mit Tesla nicht weniger als einen neuen Weltautomobilkonzern schaffen will. Ausweislich des Aktienkurses von Tesla (225 Dollar je Aktie) scheint Musk gut dabei zu sein. Binnen fünf Jahren standen sagenhafte 1135 % Kursgewinn zu Buche, Chapeau! In den vergangenen 52 Wochen indes stehen 14.8 % Miese zu Buche, ein deutliches Zeichen, dass auch für Musk die Gesetze der Schwerkraft gelten. Im Börsenwert von derzeit 26.18 Mrd. Dollar stecken verdammt viele Vorschusslorbeeren drin. Im Verhältnis dazu erscheint Daimler, einer der größten und profitabelsten Automobilkonzerne von Weltrang, mit 65.69 Mrd. Euro Börsenwert gerade zu günstig bewertet zu sein – oder ist Tesla schlicht zu teuer? Ja, ich denke, das ist es, wenn man all die Emotionen, die Elon Musk zu wecken versucht, außer Acht lässt. Elektromobiliät ist das große Thema in der Automobilbranche und Musk adressiert mit seiner Tesla sowie der geplanten großen Fabrik (Giga-Factory) und der Übernahme des US-Solaranbieters Solarcity diese Trendthemen. Im Ankündigen ist Musk Weltmeister, auf Lieferantenseite maximal 3. Liga, denn hier hakt es oft, denn bis dato wurde kein Leistungsversprechen oder Zeitplan eingehalten. Wie so oft bei Visionären, die Neuland betreten und Großes schaffen wollen. Zuzutrauen ist es Musk, doch sind mir dafür 26 Mrd. Börsenwert bei absehbar folgenden Kapitalerhöhungen schlicht zu viel des Guten. Elon völlig losgelöst von der Erde sollte auch für Ihr Depot gelten. Und wenn schon Tesla, dann über einen mittelfristig angelegten Short.